Nicht jede Vegetationsperiode gleicht der des Vorjahres. So gibt es jedes Jahr aufs Neue Herausforderungen, die in anderen Jahren keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. So gab es von Markus Kobelt mal das Geständnis, dass auch an den beiden Produktionsstandorten von Lubera fast alle Fehler, die wir unten beschreiben, auch schon einmal gemacht worden sind. Was ja nicht heißt, dass man sie allzu oft wiederholen sollte.😉
Jungpflanzen abladen
Im hinter uns liegenden Frühjahr sind wir in der Lage gewesen, fast alle Jungpflanzen vor der Auslieferung für mindestens 7-10 Tage in unserem Foliengewächshaus unter UV-Licht abzuhärten und dann erst zu Ihnen, unseren Kunden zu schicken. Je nach Transportstrecke und -dauer wird dieser Effekt jedoch wieder negativ beeinflusst. Die Jungpflanzen stehen im CC-Schatten; die Abhärtung nimmt wieder ab. Wenn die Jungpflanzen dann bis zur abschließenden Verarbeitung nochmal einige Tage bis Wochen auf dem CC stehen bleiben, dann ist der Abhärtungseffekt gänzlich zunichte gemacht und es kann unter Umständen – an sonnigen oder heißen Tagen oder an Tagen mit einem hohen UV-Index – zu Verbrennungen kommen. Daher empfehlen wir bei nicht sofort geplanter Topfung, die Jungpflanzen unmittelbar vom CC auf eine leicht schattierte Fläche abzuladen. Ein Folientunnel ist hier schon voll und ganz ausreichend. Ein Glasgewächshaus ist zu vermeiden, da hier (fast) kein UV-Licht durchkommt. Das Abladen sorgt auch dafür, dass alle Jungpflanzen gut und gleichmäßig gewässert werden können.
Jungpflanzen schneiden
Unser Ziel ist es, eine direkt topffähige Jungpflanzenqualität auszuliefern. Daher stutzen wir unsere Jungpflanzen vor der Auslieferung mindestens einmal, meistens auch mehrmals. Mit einem regelmäßigen Stutz wollen wir eine möglichst kräftige und stabile Jungpflanze erzielen, die – in Abhängigkeit der einzelnen Kulturen – auch schon eine gewisse Verzweigung ausweist. Zum anderen können wir die Jungpflanzen durch das regelmäßige Stutzen auf einer Höhe halten, die einen platzsparenden Versand auf CCs ermöglicht. Nur in Ausnahmefällen, aber vor allem auf Kundenwunsch liefern wir ungestutzte Jungpflanzen aus.
Daher ist es in den wenigsten Fällen notwendig, unsere Jungpflanzen vor dem Topfen zu stutzen. Auch wenn es dem einen oder anderen in den Fingern kribbeln mag, sollte man sich nicht zu einem unüberlegten Schnitt hinreißen lassen.
Und wenn man denn schneidet – auch später in der Kultur – ist immer die folgende Regel zu beachten: Besonders bei den Himbeeren ist es wichtig, dass diese niemals laublos gestutzt werden; es sollten nach dem Schnitt immer intakte grüne Blätter an der Pflanze bleiben. Ein Rückschnitt auf den laublosen Stängel während der Vegetationsperiode führt unweigerlich zu einer (zu) hohen Ausfallquote.
Ebenso wichtig ist es, dass die Jungpflanzen nicht direkt vor dem Topfen gestutzt werden. Dadurch werden die abgehärteten Blätter entfernt und an den unteren Blättern kann es zu Schäden durch zu starke Sonneneinwirkung kommen.
Die ideale Eintopftiefe
Auch wenn es im Frühjahr/Frühsommer mal hektisch zugeht, sollte man stets die richtige Eintopftiefe im Auge behalten. In der Sortimentsbreite gibt es zwar die eine oder andere Kultur, die hier Fehler eher verzeiht. Aber eine zu tief getopfte Jungpflanze wird immer einen schwierigeren Start haben als eine ideal getopfte Jungpflanze. Ganz besonders gilt es, die Topftiefe zu beachten, wenn die Töpfe im Anschluss noch abgestreut werden. Dann ist eine vielleicht nur leicht zu tief getopfte Jungpflanze schnell wie vergraben. Hier musste übrigens auch unsere Schwesterfirma Lubera schon mal Lehrgeld bezahlen: Da die Stängel von zu tief getopftem Rhabarber einfach abfaulen können, mussten alle frisch getopften und schon abgestreuten Jungpflanzen händisch freigelegt werden. Der Effekt: Mit der Ausnahme einer Sorte konnte so der Kulturerfolg noch in der letzten Minute gesichert werden.
Zum Thema „Abstreuen“ gibt es weiter unten einen separaten Absatz.
Substratqualität
Wahrscheinlich hat beim Thema Substrat jeder Gärtner seine eigene Meinung. Allerdings gibt es doch ein paar Grundlagen, auf die sich alle Gärtner verständigen können.
- Gute Drainagewirkung
- Gute Strukturstabilität
- Geringer Feinanteil (Feinanteile können sich auswaschen und die Drainage im Topf erschweren)
- Angepasste Düngung bei stickstoffzehrenden Zuschlagstoffen, um einer N-Fixierung entgegenzuwirken
- Angepasste Düngung bei hohen Kompostanteilen – Kompost hat von Haus aus einen hohen Gehalt an Phosphor und Kalium
- Aufgedüngte Substrate schnell verbrauchen
- Eingangsanalyse der Nährstoffgehalte
Grenzen der Aufdüngung
Neben den oben genannten Punkten zum Substrat ist auch die Aufdüngung von Substraten immer wieder ein großes Thema. In konventionell produzierenden Betrieben ist es meist der umhüllte Langzeitdünger. In biologisch produzierenden Betrieben wird gerne mit Hornspänen gearbeitet. Wie oben bereits erwähnt, sollte ein aufgedüngtes Substrat möglichst schnell verarbeitet werden, um Pflanzenbeeinträchtigungen aufgrund eines zu hohen Salzgehaltes zu vermeiden. Dies gilt sowohl im konventionellen als auch im biologischen Bereich.
Besonders in der biologischen Produktion erleben wir es immer wieder, dass hier mit mehreren Kilo Hornspänen gearbeitet wird, um eine Vollbevorratung über die gesamte Vegetationsperiode zu ermöglichen. Wo hier genau die Grenzen liegen, muss letztendlich jeder Betrieb/Gärtner für sich selber in Erfahrung bringen. Jedoch sollte die Nährstoffversorgung in regelmäßigen Abständen überprüft werden, auch um die Möglichkeit zu haben, kurzfristig reagieren zu können.
Gerade in heißen Witterungsphasen – wie wir sie dieses Jahr schon zur Genüge hatten – kann es leicht zu einer hohen Salzkonzentration kommen, wenn zu viel Dünger umgesetzt oder freigesetzt wird. Das mag auch einer der Gründe sein, warum wir dieses Jahr deutlich mehr Versalzungsschäden beobachten als früher. Dazu kommt, dass viele der bekanntesten Langzeitdünger-Hersteller mit neuen Umhüllungen experimentieren, deren Verhalten noch zu wenig bekannt ist.
Abstreuen oder Nicht-Abstreuen
Das ist eine viel diskutierte Frage, die sich bestenfalls mit einem „Es kommt drauf an!“ beantworten lässt. Nicht jede Kultur verkraftet es gleich gut, abgestreut zu werden. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Himbeere. Weder in der Baumschule noch später im Hausgarten mag es die Himbeere, abgestreut zu werden. Bei Himbeeren lautet unsere Empfehlung daher unmissverständlich: NICHT ABSTREUEN!
Der eine oder andere Leser mag jetzt vielleicht denken „Bei uns gab es damit aber noch nie Probleme!“. Dem wollen und können wir auch nicht widersprechen. Wenn die Umstände ideal sind, dann verkraftet auch eine Himbeere das Abstreuen. Was der jeweilige Betrieb aus unserer Empfehlung macht, darauf haben wir nur noch bedingt einen Einfluss.
Bei den meisten anderen Kulturen ist es branchenüblicher Standard, die Töpfe nach dem Topfen abzutreuen. Dagegen haben wir auch keine Einwände. Nur sollte man auch beim Abstreuen die Schichtstärke beachten und die frisch getopften Jungpflanzen nicht unbedingt gänzlich zuschütten. Mindestregel für Topfteams: Die grünen Teile der Jungpflanze müssen deutlich sichtbar sein – und zwar bei allen getopften Pflanzen.
Wie auf die hochsommerlichen Temperaturen bzw. Hitzewellen reagieren
In diesem übermäßig warmen und trockenen Sommer benötigen die angelieferten Jungpflanzen etwas mehr Zuneigung als vielleicht in anderen Jahren. Nach einem längeren Transportweg oder einer längeren Transportdauer sollten die Jungpflanzen nicht direkt in die größte Hitze und Sonneneinstrahlung ins Freiland getopft werden. Idealerweise sollten die Jungpflanzen für ein paar Tage an einem leicht schattierten Platz akklimatisiert werden. Dafür reicht bereits ein einfaches Folienhaus. Wichtig ist es, die Jungpflanzen nicht unter Glas aufzustellen. Die meisten Glaseindeckungen lassen kein UV-Licht durch. Das lässt die Blätter der Jungpflanzen zu weich werden.
Auch bei uns intern werden die Jungpflanzen – nachdem sie die passende Größe haben – für 10-14 Tage vor der Auslieferung in einem Folienhaus so weit abgehärtet, dass eine direkte Topfung ins Freiland auch bei erhöhten Temperaturen oder starker Sonneneinstrahlung möglich ist.
Wasser
Im Grunde ist es egal, ob wir einen trockenen oder einen nassen Sommer haben. Wasser ist immer ein besonderes Thema. Zu viel ist nicht gut und zu wenig ist auch nicht gut. Wobei die meisten Pflanzen mit zu wenig Wasser noch deutlich besser zurechtkommen als mit zu viel Wasser. Besonders in heißen und trockenen Phasen, wie es in diesem Sommer außergewöhnlich gewesen ist, ist eine bedarfsgerechte Bewässerung unerlässlich. Gerade das Angießen nach dem Topfen sollte bei hochsommerlichen Temperaturen zeitnah erfolgen, um einen Trockenstress der Jungpflanzen zu vermeiden.
Wir haben in den letzten Monaten mehrfach gesehen, dass zwar noch grüne, aber sehr stark ausgetrocknete Jungpflanzen getopft wurden. Da braucht es ein extrem langes Angießen, um den Wurzelballen wieder saugfähig und dann noch genügend feucht zu machen. Also bitte darauf achten, dass nur feuchte Platten getopft werden.
Darüber hinaus hat sich bei uns in der Jungpflanzenproduktion gezeigt, dass viele Pflanzen deutlich weniger Wasser als gedacht benötigen, wenn Gewitterschwüle zu den hohen Temperaturen hinzukommt. Als Schutzreaktion schließen die Pflanzen ihre Stomata, was zu einer geringeren Verdunstung und damit auch zu einem verringerten Wasserbedarf führt.
Fazit
Eine erfolgreiche Jungpflanzensaison hängt am Ende von vielen kleinen Stellschrauben ab. Vom richtigen Abladen und Akklimatisieren über die passende Eintopftiefe und Substratwahl bis hin zur bedarfsgerechten Düngung und Bewässerung gilt vor allem: Die Kultur und die aktuellen Witterungsbedingungen sollten stets im Blick behalten werden. Gerade in Jahren mit ausgeprägten Hitze- und Trockenphasen lohnt es sich, gewohnte Abläufe immer wieder zu hinterfragen und bei Bedarf anzupassen. Wer seine Jungpflanzen aufmerksam beobachtet und rechtzeitig reagiert, schafft die besten Voraussetzungen für einen guten Start und eine erfolgreiche weitere Kultur.