Der Markt für robuste Gurkenpflanzen entwickelt sich dynamisch. Veredelte Pflanzen haben sich aufgrund ihrer höheren Widerstandskraft und längeren Kulturzeit erfolgreich etabliert, sind jedoch mit deutlich höheren Produktionskosten verbunden. Lubera setzt deshalb auf einen anderen Weg: die Entwicklung leistungsfähiger Gurkensorten, die auch auf eigener Wurzel gesund wachsen und zuverlässig Ertrag liefern. Dieser Artikel gibt Einblick in das Gurken Züchten bei Lubera, die Ziele, Methoden und aktuellen Fortschritte auf dem Weg zu robusten Freilandgurken für Mitteleuropa.
Gurken gehören zu den wichtigsten Fruchtgemüsekulturen Europas
Nach Tomaten sind Gurken die zweitwichtigste Fruchtgemüsekultur in Mitteleuropa. Gleichzeitig gehört die Kultur zu den anspruchsvolleren Gemüsearten im Hausgarten. Die Gurke stammt ursprünglich aus warmen Regionen Südasiens und gehört zu den wärmeliebenden Fruchtgemüsen. Entsprechend stösst sie unter den wechselhaften Bedingungen Mitteleuropas immer wieder an ihre Grenzen.
Warum Gurken im Freiland so anspruchsvoll sind
Die meisten der heute verfügbaren Gurkensorten wurden für den professionellen Anbau unter geschützten Bedingungen gezüchtet. Im Gewächshaus lassen sich durch die Steuerung der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Wasserversorgung optimale Voraussetzungen für die Gurken schaffen. Im Freiland dagegen sind die Pflanzen zahlreichen Stressfaktoren ausgesetzt. Im Gegensatz zum Gewächshaus bleiben die Blätter im Freiland nach Regen, Tau oder feuchten Nächten oft über viele Stunden hinweg nass. Diese langanhaltende Blattfeuchtigkeit schafft ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Pilzkrankheiten. Zu den grössten Herausforderungen zählen Blattkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau, die bereits im Hochsommer die Assimilationsfläche der Pflanzen stark reduzieren können. Die Folge sind nachlassendes Wachstum, sinkende Erträge und eine deutlich verkürzte Ernteperiode. Für den Hausgarten ist dies besonders problematisch. Anders als im professionellen Erwerbsanbau stehen hier oft nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung, um Krankheitsdruck aktiv zu steuern.

Bild: Viele Gurken sterben schon mitten im Sommer, da sie anfällig für Pilzkrankheiten sind.
Ein wichtiges Zuchtziel besteht deshalb darin, Pflanzen zu identifizieren, die ihre Blattgesundheit möglichst lange erhalten und dadurch über einen längeren Zeitraum leistungsfähig bleiben. Wie gross die Unterschiede sein können, zeigt sich regelmässig in unseren Selektionsbeständen. Während klassische Gurkensorten oft bereits im August stark abbauen, finden sich immer wieder einzelne Selektionen, die selbst im November noch vital wachsen und Früchte tragen.

Bild: Nur gesunde Blätter können genügend Energie für die kontinuierliche Fruchtbildung liefern.
Hinzu kommen starke Witterungsschwankungen. Auf längere Hitze- und Trockenperioden folgen oft intensive Niederschläge oder kühlere Wetterphasen. Auch der Boden spielt eine wichtige Rolle: Verdichtete, kalte oder dauerhaft nasse Böden beeinträchtigen die Wurzelentwicklung und erhöhen das Risiko verschiedener bodenbürtiger Krankheiten.
Zwei Wege zu robusteren Gurken
In den vergangenen Jahren haben veredelte Gurkenpflanzen auch im Hausgarten stark an Bedeutung gewonnen. Viele Hobbygärtner schätzen die höhere Wuchskraft, die längere Kulturzeit und die bessere Widerstandsfähigkeit der Pflanzen. Die kräftigen Kürbis-Unterlagen sorgen für ein leistungsfähiges Wurzelsystem und helfen den Pflanzen, Stresssituationen besser zu überstehen. Dadurch bleiben sie häufig länger gesund und liefern über einen längeren Zeitraum Erträge. Diese Vorteile haben allerdings ihren Preis. Die Veredelung ist arbeitsintensiv und erhöht die Produktionskosten erheblich. Entsprechend sind veredelte Jungpflanzen deutlich teurer als wurzelechte Pflanzen.

Bild: Veredelte Gurken profitieren von einer kräftigen Kürbisunterlage, sind in der Produktion jedoch deutlich aufwendiger.
Lubera verfolgt deshalb einen anderen Weg. Das Ziel ist, die Gurke selbst robuster zu machen. Statt die Widerstandskraft über eine Unterlage einzubringen, arbeitet die Züchtungsabteilung von Lubera an Sorten, die auf eigener Wurzel gesund, leistungsfähig und freilandtauglich sind.
Die Gurkenzüchtung ist Teil der OpenSky®-Strategie von Lubera. OpenSky® steht für Fruchtgemüse, das seine Stärken nicht im Gewächshaus, sondern unter den Bedingungen des mitteleuropäischen Freilands ausspielt.
Dabei baut die Gurkenzüchtung auf Erfahrungen aus anderen Lubera-Züchtungsprogrammen auf. Insbesondere die Entwicklung der OpenSky® Freilandtomaten hat gezeigt, wie wichtig die konsequente Selektion unter realen Freilandbedingungen ist. Ziel sind Sorten, die auch unter Krankheitsdruck und wechselhaften Witterungsverhältnissen zuverlässig wachsen und Erträge liefern.
Wie bei allen Lubera-Züchtungen stehen auch beim Gurken Züchten Robustheit, einfache Kultur und guter Geschmack im Mittelpunkt. Selektiert werden Pflanzen, die nicht nur gesund bleiben, sondern auch den Ansprüchen von Hobbygärtnern an Ertrag und Genuss gerecht werden. Das eigentliche Ziel besteht nicht darin, einzelne Spitzenwerte zu erreichen, sondern ein ausgewogenes Gesamtpaket zu entwickeln. Genau hierin liegt die grösste Herausforderung der Gurkenzüchtung: Die besten Eigenschaften vieler Pflanzen in einer einzigen Sorte zusammenzuführen.
Die Zuchtziele der Lubera-Gurkenzüchtung
Jedes Züchtungsprogramm beginnt mit einer klaren Definition der gewünschten Eigenschaften. Die Zuchtziele bestimmen die Auswahl der Elternlinien, die Richtung der Selektion und letztlich die spätere Marktpositionierung einer Sorte. Dabei orientieren wir uns nicht nur an den Anforderungen von heute. Bereits bei der Auswahl der Kreuzungspartner stellt sich die Frage, welche Eigenschaften Freilandgurken in zehn Jahren benötigen werden.
Die Kunst der Selektion
Die grösste Herausforderung moderner Pflanzenzüchtung besteht selten darin, einzelne positive Eigenschaften zu finden. Schwieriger ist es, verschiedene gewünschte Merkmale in einer Linie zu vereinen.
Eine Pflanze kann beispielsweise eine hervorragende Blattgesundheit zeigen, gleichzeitig aber nur durchschnittliche Fruchtqualitäten besitzen. Andere Linien überzeugen durch Geschmack und Ertrag, weisen jedoch Schwächen bei der Widerstandskraft auf.
Die eigentliche Selektionsarbeit besteht deshalb darin, den besten Kompromiss zu finden. Nur Linien, die bei Gesundheit, Ertrag, Fruchtqualität und Kulturwürdigkeit gleichzeitig überzeugen, werden weitergeführt. Erfolgreiche Pflanzenzüchtung lebt dabei von konsequenten Entscheidungen. Linien mit Schwächen werden ausgeschieden, auch wenn sie in einzelnen Merkmalen überzeugen. Nur durch diesen hohen Selektionsdruck lassen sich langfristig robuste und leistungsfähige Sorten entwickeln.
Lubera OpenSky® Gurken müssen folgenden Ansprüchen gerecht werden:
Freilandtauglichkeit
Die Pflanzen sollen ihre Leistungsfähigkeit nicht nur unter geschützten Bedingungen, sondern vor allem im Freiland zeigen. Entscheidend sind eine gute Anpassung an die wechselhaften Bedingungen des mitteleuropäischen Klimas, eine hohe Ertragssicherheit und eine möglichst lange Ernteperiode.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kältetoleranz. Freilandgurken müssen auch tiefere Temperaturen im Frühjahr und Frühsommer verkraften können, ohne ihr Wachstum einzustellen oder nachhaltig geschädigt zu werden. Gleichzeitig selektieren wir auf ein kräftiges Jugendwachstum, damit sich die Pflanzen nach der Pflanzung rasch etablieren können.
Eine neue Sorte muss nicht nur in guten Jahren überzeugen. Entscheidend ist die Fähigkeit, auch unter wechselhaften Witterungsbedingungen zuverlässig Erträge zu liefern. Deshalb selektieren wir gezielt auf Ertragssicherheit, Anpassungsfähigkeit und eine lange Ernteperiode.
Gesundheit und lange Kulturdauer
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Freilandgurken ist eine gute Blattgesundheit. Im Freiland bleiben Gurkenblätter nach Regen, Tau oder feuchten Nächten oft über längere Zeit nass. Dadurch entstehen ideale Bedingungen für Pilzkrankheiten. Insbesondere Echter und Falscher Mehltau führen bei vielen Gurkensorten zu einem vorzeitigen Kulturende.
Beim Gurken Züchten werden deshalb gezielt Pflanzen selektiert, die ihre Blattgesundheit möglichst lange erhalten. Ziel sind Sorten, die auch unter natürlichem Krankheitsdruck bis weit in den Sommer und Herbst hinein vital bleiben und kontinuierlich Früchte produzieren.
Fruchtqualität
Die beste Blattgesundheit nützt wenig, wenn die Früchte geschmacklich nicht überzeugen. Deshalb werden beim Gurken Züchten Fruchtform, Konsistenz, Aroma und Essqualität ebenso konsequent bewertet wie Gesundheit und Ertrag.
Mit diesen Zuchtzielen als Ausgangspunkt beginnt die eigentliche Züchtungsarbeit – die gezielte Kombination unterschiedlicher Eigenschaften durch Kreuzung und Selektion.
Die Züchtungsstrategie: Freilandselektion statt Gewächshausprüfung
Sind die Zuchtziele definiert und geeignete Elternlinien ausgewählt, beginnt das eigentliche Gurken Züchten. Wie in jedem klassischen Züchtungsprogramm werden zunächst durch Kreuzung neue genetische Kombinationen geschaffen. Entscheidend ist jedoch nicht die Kreuzung selbst, sondern die anschliessende Selektion.
Bei Lubera erfolgt diese Selektion bewusst unter Freilandbedingungen. Der Grund dafür ist einfach: Wir möchten Gurken züchten, die später im Hausgarten im Freilandanbau überzeugen. Deshalb müssen sich die Pflanzen bereits während der Züchtung unter denselben Bedingungen bewähren. Wer Freilandgurken züchten will, muss unter Freilandbedingungen selektieren.

Bild: In Buchs SG herrschen ideale Bedingungen für die Selektion robuster Gemüsepflanzen.
Viele Eigenschaften lassen sich nur unter natürlichem Krankheits- und Witterungsdruck zuverlässig beurteilen. Während viele Gemüsesorten unter geschützten Bedingungen entwickelt und geprüft werden, erfolgt die Selektion bei Lubera bewusst dort, wo sich die Pflanzen später bewähren müssen: im Freiland. Eine Linie, die im Gewächshaus gesund erscheint, kann im Freiland deutliche Schwächen zeigen.
Ideale Voraussetzungen dafür bietet unser Standort im St. Galler Rheintal. Das niederschlagsreiche Klima und die häufige Blattfeuchtigkeit erzeugen einen natürlichen Krankheitsdruck, der die Pflanzen regelmässig auf die Probe stellt. Krankheiten wie Echter und Falscher Mehltau machen Unterschiede zwischen den einzelnen Pflanzen sichtbar und ermöglichen es, besonders gesunde und widerstandsfähige Linien frühzeitig zu erkennen.
Aus Sicht der Züchtung sind deshalb gerade schwierige Jahre besonders wertvoll. Was für den Gärtner ein problematisches Gurkenjahr ist, kann beim Gurken Züchten ein aufschlussreiches Selektionsjahr sein. Hoher Krankheitsdruck hilft dabei, robuste Genotypen von anfälligen Linien zu unterscheiden und die besten Kandidaten für die nächste Generation auszuwählen.
OpenSky® Gurken züchten: Von der Kreuzung zur Zuchtlinie
Jede neue Züchtung beginnt mit einer sorgfältig geplanten Kreuzung. Dabei suchen wir gezielt nach Elternlinien, die sich in ihren Stärken ergänzen. Die eine bringt vielleicht eine aussergewöhnliche Blattgesundheit mit, die andere überzeugt durch Geschmack oder Ertrag. Ziel ist es, aus diesen unterschiedlichen Stärken neue Kombinationen zu schaffen, die den Anforderungen zukünftiger Freilandgurken noch besser gerecht werden.
Die erste Generation nach einer Kreuzung, die sogenannte F1, ist meist noch relativ einheitlich. Die eigentliche Vielfalt zeigt sich erst in der F2-Generation.
Hier beginnt die Aufspaltung der Eigenschaften. Plötzlich unterscheiden sich die Pflanzen deutlich voneinander. Unterschiede werden bei Blattgesundheit, Wuchsverhalten, Fruchtform, Ertrag oder Fruchtqualität sichtbar. Genau diese Vielfalt bildet die Grundlage für die weitere Selektion.
Aus einer grossen Zahl von Pflanzen werden die interessantesten Individuen ausgewählt. Gesucht werden Pflanzen, die möglichst viele positive Merkmale gleichzeitig vereinen: Gesundheit, Ertrag, Fruchtqualität und Anpassungsfähigkeit.
OpenSky® Gurken züchten: Linienbildung und Stabilisierung
Die Pflanzen, die den Zuchtzielen am besten entsprechen, werden ausgewählt und als Ausgangspunkt neuer Zuchtlinien weitergeführt. Die weiblichen Blüten der ausgewählten Pflanze werden von Hand mit dem Pollen derselben Pflanze bestäubt und durch insektensichere Beutel vor Fremdbefruchtung geschützt. Die Nachkommen werden erneut geprüft. Dieser Prozess wiederholt sich über mehrere Generationen.

Bild: Für die Bildung stabiler Linien werden weibliche Blüten mit dem Pollen männlicher Blüten derselben Pflanze von Hand bestäubt.
Mit jeder Generation nimmt die Einheitlichkeit innerhalb einer Linie zu. Gleichzeitig werden unerwünschte Eigenschaften konsequent ausgesondert. Gleichzeitig entstehen aus besonders vielversprechenden Pflanzen häufig mehrere Entwicklungsrichtungen. Zeigt eine Linie beispielsweise sowohl interessante Resistenzeigenschaften als auch unterschiedliche Fruchttypen, können mehrere Pflanzen separat weitergeführt werden. Aus einer einzigen Kreuzung entstehen so manchmal mehrere Zuchtlinien mit ganz unterschiedlichem Potential.
Die entscheidenden Selektionsschritte erfolgen häufig in den Generationen F3 bis F6. Erst wenn eine Linie ihre Eigenschaften über mehrere Generationen hinweg zuverlässig zeigt und homogen ist, kann sie als stabil angesehen werden.
Genau dieser Prozess macht das Gurken Züchten und die Entwicklung neuer Sorten zeitaufwendig. Zwischen der ersten Kreuzung und einer marktreifen Gurkensorte liegen in der Regel viele Jahre konsequenter Selektionsarbeit. Wie bei jeder Kultur zeigt sich auch bei Gurken, dass die Entwicklung neuer Sorten Zeit benötigt. Zwischen einer vielversprechenden Kreuzung und einer marktreifen Sorte liegen zahlreiche Selektionsschritte, mehrere Generationen der Linienentwicklung sowie umfangreiche Prüfungen unter Praxisbedingungen.
Aktueller Stand der Lubera-Gurkenzüchtung
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Kreuzungen durchgeführt und die daraus entstandenen Linien unter Freilandbedingungen geprüft. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich innerhalb der vorhandenen genetischen Vielfalt vielversprechende Kandidaten für die Entwicklung robuster Freilandgurken finden lassen.
Besonders erfreulich ist die lange Kulturdauer einzelner Selektionen. Während viele Standardsorten bereits im Spätsommer deutlich abbauen, bleiben einige Zuchtlinien bis weit in den Herbst hinein vital und fruchtbar.
Bis erste eigene Lubera OpenSky® Freilandgurken marktreif sind, setzt Lubera auf sorgfältig ausgewählte Sorten, die sich in der langjährigen Sortensichtung bewährt haben. Entscheidend sind dabei dieselben Kriterien wie in der eigenen Züchtung: Gesundheit, Ertragssicherheit, Fruchtqualität und eine lange Ernteperiode.