Jede Jungpflanzensaison verläuft anders. Witterung, Lichtangebot und Temperatur beeinflussen das Pflanzenwachstum jedes Jahr auf neue Weise. Gerade in der biologischen Jungpflanzenproduktion erfordert das eine kontinuierliche Anpassung von Kulturführung, Bewässerung, Düngung und Pflanzengesundheit.
Auch die Saison 2026 brachte neue Herausforderungen mit sich. In diesem Rückblick zeigen wir auf, welche Erfahrungen wir gesammelt haben und welche Erkenntnisse sich daraus für die Topf- und Containerpflanzenproduktion ableiten lassen. Der Beitrag versteht sich nicht als Kulturanleitung, sondern als praxisnaher Erfahrungsbericht mit möglichen Denkanstößen für den eigenen Betrieb.
Alles beginnt mit der Wurzel
Eine vitale Wurzel ist die Grundlage jeder erfolgreichen Kultur. Nur ein gut entwickeltes Wurzelsystem kann Wasser und Nährstoffe effizient aufnehmen und die Pflanze auch unter wechselnden Umweltbedingungen gut versorgen.
Dabei zeigt sich immer wieder: Dauerhaft zu nasse Bedingungen schaden der Wurzel meist stärker als kurzzeitig trockene Phasen. Entsprechend liegt ein Schwerpunkt der biologischen Jungpflanzenproduktion auf der Förderung einer gesunden Wurzelentwicklung.
Der Einfluss vom Substrat
Damit die Wurzeln sich gut entwickeln können braucht es ein optimales Umfeld. Und damit beim Substrat. Die Auswahl des passenden Substrats/Substratmischung ist essentiell wichtig für die Wurzel und damit für das Wachstum der Pflanzen. Ein zu hoher Feinanteil kann sich über die Kulturdauer in den unteren Topfbereich auswaschen und dort zu einer Vernässung und reduzierten Drainage führen. Ebenso kann ein zu grobes Substrat sich nachteilig auf die Wasserhaltbarkeit auswirken.
Da unsere Jungpflanzenproduktion nach bio-/ökologischen Richtlinien erfolgt, verwenden wir ein torfreduziertes Substrat. Diese Torfreduktion wird je nach Rezeptur durch verschiedenste Zuschlagstoffe ausgeglichen und damit steigt gleichzeitig die Variabilität der Substrateigenschaften.
Je nach Zusammensetzung, Herkunft und saisonaler Verfügbarkeit der einzelnen Ausgangsstoffe unterscheiden sich Struktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffnachlieferung teilweise deutlich. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf die Wurzelentwicklung und damit auf das Pflanzenwachstum aus.
Herausfordernde Düngung
Wie erwähnt arbeiten wir mit einem torfreduzierten Substrat. Dafür haben wir im Substrat einen gewissen Anteil von Grünkompost. Die Erfahrung über die Jahre hat gezeigt, dass mit dem Kompostanteil bereits ein gewisser Gehalt an Phosphor und Kalium bereits im Substrat vorhanden ist. Dies gilt es bei der späteren Düngung zu berücksichtigen. Dies versuchen wir durch einen mehr stickstoff-betonen Dünger zu gewährleisten oder wir verwende direkt einen reinen Stickstoffdünger.
Während in der Fertigwarenproduktion häufig mit einer vollständigen Langzeitbevorratung gearbeitet wird, verfolgen wir in der Jungpflanzenproduktion bewusst einen flexibleren Ansatz. Dadurch können wir den Nährstoffbedarf besser an das tatsächliche Pflanzenwachstum und die Witterung anpassen.
Gerade hohe Bevorratungen mit organischen Festdüngern erfordern eine sorgfältige Planung. Mineralisierungsgeschwindigkeit, Temperatur und Feuchtigkeit bestimmen maßgeblich, wann die Nährstoffe tatsächlich pflanzenverfügbar werden.
In der Jungpflanzenproduktion setzen wir auf eine Kombination von festen und flüssigen Düngern. Dabei dient der feste Dünger als Grundversorgung der Jungpflanzen. Und gerade bei wechselhaftem Wetter hat sich die Flüssigdüngung als wichtiges Instrument erwiesen, um kurzfristig auf den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen reagieren zu können.
Bei den verfügbaren flüssigen Biodüngern hat sich gezeigt, dass die jeweilige Qualität stark von den jeweiligen Ausgangsstoffen abhängt.
Die Vitalität der Pflanze aufrechterhalten!
In der biologischen Jungpflanzenproduktion stehen vorbeugende Maßnahmen deutlich stärker im Vordergrund als kurative Eingriffe. Ziel ist es daher, die Jungpflanzen vom ersten Kulturtag an möglichst vital und widerstandsfähig zu entwickeln.
Von Pflanzenstärkung
Zu den wohl wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen ist die regelmäßige Pflanzenstärkung. Während der gesamten Wachstumsperiode werden unsere Jungpflanzen einmal in der Woche mit einer betriebsspezifisch abgestimmten Kombination verschiedener Pflanzenstärkungsmittel behandelt. Dies erfolgt entweder im Spritz- oder im Kaltnebelverfahren. Die Mischung besteht aus Mitteln auf Basis effektiver Mikroorganismen als auch aus Pflanzenextrakten.
Unsere Erfahrung zeigt, dass der langfristige Erfolg weniger von einzelnen Produkten als von einer konsequenten und regelmäßigen Anwendung abhängt.
Im Austausch mit anderen biologisch produzierenden Betrieben hat sich gezeigt, dass alle auf dieselben Mittel zurückgreifen, sich die jeweiligen betriebsspezifischen Mischungen aber doch deutlich unterscheiden.
Hintergrund der Pflanzenstärkung ist einerseits, die Jungpflanzen so widerstandsfähig wie möglich zu machen und andererseits das Pflanzenumfeld im Bestand so unangenehm wie möglich für die potenziellen Schaderreger zu machen. Sei es, dass Antagonisten die Einfallsstellen von Schadpilzen besetzen. Oder beispielsweise das Umfeld auf dem Blatt so zu gestalten, dass Sporen erst gar nicht keimen können bzw. die Keimung stark verzögert wird.
Darüber hinaus lassen sich durch fermentierte Pflanzenextrakte Schadinsekten abwehren oder vertreiben.
Über Pflanzenschutz
Wenn die Stärkungsmaßnahmen einmal nicht erfolgreich sein sollten oder der Krankheits-/Schädlingsdruck so zu hoch ist, dann bleibt eine Pflanzenschutzmaßnahme meist alternativlos. Je nach Mittel und Indikation kann eine solche Maßnahme prophylaktisch oder kurativ sein. Ein prophylaktische Pflanzenschutzmaßnahme ist beispielsweise eine Behandlung mit elementarem Kupfer bei Brombeeren als Vorbeugung gegen Peronospora. Eine kurative Behandlung ist beispielsweise eine Behandlung mit natürlichem Pyrethrum gegen saugende Insekten.
Gerade im biologischen Anbau entscheidet häufig der richtige Zeitpunkt über den Behandlungserfolg. Ein früh erkanntes Problem lässt sich meist deutlich einfacher kontrollieren als ein bereits etablierter Befall.
Zu Nützlingen
Neben der Pflanzenstärkung und Pflanzenschutzmaßnahmen gehört der Einsatz von Nützlingen schon seit der konventionellen Produktion zu einem wichtigen Standbein der biologischen Jungpflanzenproduktion. In regelmäßigen Abständen setzen wir unterschiedlichste Arten als Gegenspieler für diverse Schädlinge ein. Darunter zählen zum einen die klassischen Nützlinge wie Nematoden gegen Trauermücken und Rüsselkäfer oder Raubmilben gegen Spinnmilben. Aber auch weniger bekannte Arten wie Raubkäfer gegen eine Vielzahl von bodenbewohnenden Schadinsekten.
Fazit
Die Saison 2026 hat erneut gezeigt, dass eine erfolgreiche Jungpflanzenproduktion vor allem von einer vorausschauenden Kulturführung lebt. Substrat, Bewässerung, Düngung, Pflanzenstärkung und der gezielte Einsatz von Nützlingen greifen wie Zahnräder ineinander und lassen sich nicht isoliert betrachten.
Gerade unter wechselnden Witterungsbedingungen gewinnt die Fähigkeit, Kulturmaßnahmen flexibel an die aktuelle Entwicklung anzupassen, zunehmend an Bedeutung. Standardlösungen stoßen dabei schnell an ihre Grenzen.
Unsere Erfahrungen bestätigen einmal mehr: Eine gesunde Wurzel, eine ausgewogene Nährstoffversorgung und konsequente vorbeugende Maßnahmen bilden die Grundlage für vitale Jungpflanzen. Wer diese Faktoren kontinuierlich beobachtet und frühzeitig reagiert, schafft die besten Voraussetzungen für stabile Kulturen – sowohl in der Jungpflanzenproduktion als auch in der anschließenden Topf- und Containerpflanzenproduktion.