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Frederik Vollert

Himbeeren und Brombeeren – Wie sich ein Sortiment zusammensetzt

Lowberry® Little Red Princess®Vor einigen Monaten hatten wir versucht, über die Analyse der Erdbeerverkaufszahlen unserer Schwesterfirma Lubera Anhaltspunkte für eine standardmäßige Verteilung der Erdbeertypen (weißblühend, rotblühend, einmal- bzw. immertragend, usw.) zu geben. Das Gleiche testen wir nun erneut bei den Himbeeren und Brombeeren, um Ihnen auch hier einen Überblick über die Nachfrage zu geben. Die entsprechenden Zahlen können dann als Anhaltspunkte für Ihre eigene Sortimentsplanung dienen, da sie auf echten Verkaufszahlen basieren. Natürlich können diese Zahlen an einzelnen Standorten und Verkaufsumgebungen unterschiedlich ausfallen.

Wie kommen wir zu diesen Daten, und wie typisch sind sie?

Durch unsere Schwesterfirma Lubera sind wir als Jungpflanzenanbieter in der einmaligen Lage, echte Verkaufsdaten an Endverbraucher auszuwerten. Über lubera.com werden 10 Monate im Jahr Himbeeren und Brombeeren den Hobbygärtnern zum Kauf angeboten, darüber hinaus sind die entsprechenden Sortimente eigentlich immer zu 90% verfügbar. Für die nachfolgenden Daten haben wir die Pflanzenverkäufe der vergangenen 12 Monate aus dem gesamten DACH-Raum ausgewertet.

Bleibt nur noch die Frage, wie typisch oder repräsentativ diese Zahlen sind uns bilden sie wirklich reale Nachfrage ab. Bei dieser Frage wollen wir uns auch überhaupt nicht festlegen, für unsere Schwesterfirma stellen die erhobenen Zahlen die Realität dar. Das heißt allerdings nicht, dass es die alleingültige Wahrheit ist. Die nachfolgenden Zahlen sollen Ihnen, als unsere Jungpflanzenkunden, eher als richtungsweisend oder als Entscheidungshilfe dienen. Denn die natürliche Nachfrage ist letztendlich sehr von den eigenen Standortbedingungen und dem Kundenklientel abhängig.

Welche Arten von Himbeeren haben wir untersucht?

Bild: Sommerhimbeere Sanibelle®

Verkaufszahlen bis auf einzelne Sorten herunter zu brechen macht selbstverständlich wenig Sinn, darum haben wir Daten zu den Verkäufen (alle Verkäufe im DACH-Raum) kumuliert und wie folgt verglichen:

  • Sommerhimbeeren vs. Herbsthimbeeren
  • Himbeeren nach Wuchshöhe
  • Himbeeren nach Farbe und Ernteperiode
  • Himbeeren vs. Brombeeren
  • Brombeeren nach Gruppen

Alle ausgewerteten Daten stammen aus den Verkäufen der vergangenen 12 Monate. Bei den in den Tabellen gezeigten Zahlen handelt es sich immer um Prozentzahlen.

Sommerhimbeeren im Vergleich zu den Herbsthimbeeren

Die hier dargestellten Zahlen entsprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Bauchgefühl der meisten Gärtner, dass die Herbsthimbeeren eigentlich den Markt dominieren, und das zeigen auch die Verkaufszahlen. Mehr als 2/3 der verkauften Himbeerpflanzen sind Sorten der Herbsthimbeeren.

  Sommerhimbeeren Herbsthimbeeren
Anteil der Gesamtverkäufe 29 71

Zahlenangaben immer in Prozent

Im Gesamten betrachtet sind diese Verkaufszahlen auch recht logisch. In den letzten Jahren hat die Züchtung der Herbsthimbeeren einen großen Schritt nach vorne gemacht, nicht nur im Bereich der Fruchtqualität, sondern besonders auch im Farbspektrum und in der Reifezeit hat sich einiges getan.

Dazu kommt, dass sich die heutigen Käufer immer mehr von den Anbaukenntnissen der vorangegangen Generation entfernen und somit die Herbsthimbeeren deutlich attraktiver sind, da die grundsätzliche Pflege dieser Sorten wesentlich weniger aufwändig ist. Gleichzeitig muss aber auch erwähnt werden, dass die Sommerhimbeeren bisher in punkto Geschmack und Aroma immer noch vor den Herbsthimbeeren liegen.

Vergleich der Himbeeren nach Fruchtfarbe und Ernteperiode

Bild: Farbenvielfalt der Himbeeren

Warum werden im LEH (fast) ausschließlich rote Himbeeren angeboten? Diese Frage ist recht einfach zu beantworten: Weil die überwiegende Zahl der Endkonsumenten das so wünscht. Es gibt zwar einige Verbraucher, die auch andersfarbige Himbeeren kaufen würden, aber deren Zahl ist zu gering, dass es sich für die großen Ketten lohnen würde.

Ganz ähnlich verhält es sich in der Pflanzenwelt. Für die Mehrheit der Hobbygärtner hat eine Himbeere eben rot zu sein, jedoch nicht für alle, und genau das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wieder.

  Sommerhimbeeren Herbsthimbeeren Gesamt
Rot 88 78 83
Gelb -- 12 6
Violett/schwarz 12 10 11

Zahlenangaben immer in Prozent

Wie erwähnt besteht die Sortiments-Basis im Himbeermarkt aus roten Himbeeren. Allerdings können die andersfarbigen Himbeer-Sorten durchaus dazu beitragen, die Verkaufszahlen bei den roten Himbeeren zu steigern. Ganz nach dem Motto: „Klein verkauft Groß“. Besonders interessant und überraschend ist hier der recht hohe Anteil an violette/schwarzen Himbeeren, sowohl bei den Sommerhimbeeren (schwarz) als auch bei den Herbsthimbeeren (violett) und damit ähnliche Verkaufszahlen aufweisen wie die gelben Himbeeren.

Vergleich der Himbeeren nach Wuchshöhe

Links Herbsthimbeere Little Red Princesse, rechts Brombeere Little Black Prince

Bild: Lowberry-Sorten, die idealen Terrassenpflanzen

Ebenso interessant wie der Blick auf die Farben ist der Blick auf die unterschiedlichen Wuchstypen. Auch hier dominieren ganz selbstverständlich die „klassischen“ Himbeeren, jedoch konnten die andern Wuchstypen sich doch einen gewissen Anteil am Himbeermarkt sichern. Sehr erstaunlich ist zudem, dass die neue Gruppe der Schlaraffia®-Himbeeren innerhalb eines Jahres bereits auf knapp 10% der Gesamtverkäufe kommt. Auch hier spielen höchstwahrscheinlich die deutlich vereinfachte Pflege und die informellen Einsatzmöglichkeiten eine wichtige Rolle.

  Lowberry® (< 1m) Schlaraffia® (< 1,5m) Starkwachsend (> 1,8m)
Anteil der Gesamtverkäufe 9 9 82
Zahlenangaben immer in Prozent
 
Auch die Gruppe der Lowberry®-Himbeeren konnte sich recht stabil am Markt positionieren. Hier sollte jedoch beachtet werden, dass diese Himbeer-Gruppe nicht der gesamte und auch kein eigenständiger Markt sind. Die Lowberry®-Himbeeren sind ein Bestandteil des gesamten Himbeer-Marktes und kommen als neues Segment hinzu. Auch sollte zu beachten sein, dass die Himbeeren immer in Verbindung mit anderen Pflanzenarten aus der Lowberry®-Gruppe angeboten werden, um ein in sich geschlossenes Sortiment anbieten zu können.

Vergleich der Verkaufszahlen Himbeeren vs. Brombeeren

Wie sich im Vorfeld schon erahnen ließ, liegen die Himbeer-Verkäufe deutlich vor den Brombeer-Verkäufen. Dies ist vor allem auf die unterschiedliche Handhabung und Pflanzweise im Hausgarten zurückzuführen.

  Himbeeren (Total) Brombeeren (Total)
Anteil der Gesamtverkäufe 89 11

Zahlenangaben immer in Prozent

Denn im Hausgarten werden die Himbeeren auch heute noch, wie die Tabelle weiter oben zeigt, weitestgehend als Gruppenpflanzung (Einzelreihe oder Beet) gesetzt. Die Brombeeren hingegen werden überwiegenderweise als Solitär, d.h. im Einzelstandort, gepflanzt. Darum werden von Natur aus mehr Himbeerpflanzen als Brombeerpflanzen (Ausnahmen ausgeschlossen) benötigt.

Vergleich der Brombeeren nach Gruppeneinteilung

Brombeere Lubera® Navaho® Summerlong®

Bild: Brombeere Navaho® Summerlong®

Wie aus der vorangegangenen Tabelle ersichtlich geworden ist, haben die Brombeeren im Vergleich zu den Himbeeren nicht zwangsläufig dieselben Verkaufszahlen. Dennoch sind die Brombeeren eine wichtige und nicht zu unterschätzende Gruppe im Beerenobst.

  Herbst-Brombeere Standard Brombeer-Hybriden Lowberry® Besondere Farben
Anteil der Gesamtverkäufe 4 66 17 11 2

Zahlenangaben immer in Prozent

Wie aus der Tabelle zu entnehmen ist, haben die Herbst-Brombeeren, deren Früchte an den einjährigen/diesjährigen Trieben reifen, bei weiten noch nicht den Stellenwert erreicht wie die Herbsthimbeeren. Dies mag vor allem daran liegen, dass im Moment erst die erste und zweite Generation der Herbst-Brombeeren am Markt etabliert sind, und hier die Züchtung etwa 30 Jahre hinterher liegt. Zum Vergleich: die erste marktrelevante Herbsthimbeere ‚Autumn Bliss‘ wurde 1989 im Markt eingeführt. Eine interessante Erkenntnis ist auch, dass die Brombeer-Hybriden mit fast 20% doch einen gewissen Stellenwert haben.
Ebenso wie bei den Himbeeren hat auch die Lowberry®-Gruppe bei den Brombeeren eine recht konstante Größe und etwa denselben Marktanteil. Auch hier gilt, dass die Lowberry®-Gruppe ein Bestandteil und ein separates Segment des Brombeer-Marktes sind und im besten Falle als Gesamtsortiment mit weiteren Pflanzenarten angeboten werden.

Fazit

Die gesamten dargestellten Zahlen sind selbstverständlich nur eine Momentaufnahme eines einzelnen Unternehmens, jedoch handelt es sich dabei um Verkäufe direkt an den Endverbraucher. Nun muss allerdings jeder Marktteilnehmer für sich selber entscheiden, wie unsere Auswertungen interpretiert werden und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.
Selbst wir als Jungpflanzenlieferant haben zwar die Zahlen analysiert, aber trotzdem kennen auch wir nicht die absolute Wahrheit dahinter. Wir möchten Ihnen damit nur eine Planungsgrundlage geben, wie ein Himbeer- und Brombeer-Sortiment aussehen kann. Für die detaillierte Sortenwahl stehen wir Ihnen dann gerne auch persönlich zur Verfügung.

Frederik Vollert
Frederik Vollert
Frederik Vollert ist gelernter Baumschulgärtner. Nach seiner Weiterbildung zum Gartenbautechniker und Baumschulmeister ist er für den Aufbau der Qualitätssicherung bei den Mutterpflanzen sowie für die Sortimentsentwicklung bei Robert Mayer verantwortlich gewesen. Für den neuen Posten der Produktentwicklung ist er innerhalb der Firmengruppe zur Lubera Edibles GmbH gewechselt, wo er zudem auch für den Bereich Ecommerce verantwortlich ist.

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