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Markus Kobelt

Züchtungsfortschritt in einem Bild

Was bringen überhaupt neue Sorten. Was ist der Unterschied zu den Neuheiten? Lohnt es sich, neue Himbeersorten zu kultivieren? Das sind die Fragen, die wir nicht selten hören. Aber anstatt, dass wir uns den Mund fusslig reden, zeigen wir ganz einfach ein Bild:

Züchtung, Züchtungsunterschied, LE Heritage, Grand Heritage

Bild: Heritage (1969) vs. Grand Heritage (2024)

Welche Sorte würden Sie Pflanzen wollen?

Heritage (1969)

Es war 1969, ich war gerade 6 Jahre alt. Aber mit Himbeeren hatte ich noch gar nichts am Hut, es sei denn die besten Früchte von der Himbeerreihe meiner Mutter zu stibitzen…

1969 also kam die Himbeersorte Heritage heraus. Gezüchtet an der Cornell University, New York, von einem Dr Waldo. Schnell setzte sie sich auf dem Markt durch: Sie eignet sich auch für heissere Klimate, hat einen aufrechten Wuchs, verzweigt gut und hatte in den 60er/70er Jahren das beste Ertragspotential aller Herbsthimbeersorten. Die Sorte Heritage behielt ihre starke Position, auch als über 10 Jahre später Autumn Bliss auftauchte, der neue Star am Himbeerhimmel. Beide Sorten vereinigen eine gute relativ frühe Reife, einen aufrechten gut verzweigenden Wuchs, eine vernünftig Fruchtgrösse und einen akzeptablen Geschmack. Botanisches Detail nebenbei: Die frühe Herbsthimbeerenzüchtung in Cornell wurde so erfolgreich aufgrund von wilden, im Staat New York entdeckten frühreifenden Herbsthimbeerpopulationen, die wohl zur amerikanischen Unterart Rubus strigosus gehören.

Grand Heritage (2024)

Wir schreiben das Jahr 2024. Die Himbeeren sind grösser geworden, was sage ich da, sie sind doppelt so gross. Das Gewicht einer Grand Heritage Himbeere bewegt sich bei 8-9 Gramm, weit entfernt von den 4 Gramm der Vorgängersorte. Zwischen den beiden Sorten liegen 55 Jahre, 4-5 Züchtungsgenerationen. Auch die neue Heritage ist leicht zu produzieren, sie hat weniger Dornen und ist in den meisten Eigenschaften bei den besten Sorten angesiedelt. Grand Heritage wartet gerade darauf, zu einer neuen Standartsorte zu werden. Dazu beginnt die Reife zuverlässig Ende Juli, also etwas früher als bei Heritage.

Die Moral von der ‘Geschicht’

Eine gleiche oder ähnliche Geschichte könnten wir von fast allen alten Sorten im Vergleich zu den neuen Sorten erzählen. Sie ist hier aufgrund der Namensähnlichkeit und der Positionierung einfach noch deutlicher. Und von den alten Sorten verkaufen wir unendlich grosse Mengen, von Heritage ca. 300 000. Es stellt sich einfach die Frage: Können wir es uns leisten, alte Sorten unendlich lange weiterzuverkaufen, wo es schon längst viel bessere gibt? Und wie lange wird es gehen, bis sich das Gerücht breitmacht, eben weil es der Wahrheit entspricht: Die Himbeeren im Supermarkt seien viel grösser und besser als im Garten...?

Markus Kobelt
Markus Kobelt
Markus Kobelt ist Mitgründer von Lubera Edibles GmbH, darüber hinaus ist er Gründer und Inhaber von Lubera.
Sein "früheres Leben" als Germanistik-Student ist bereits ein Weilchen her. Das Schreiben allerdings liegt Ihm nach wie vor im Blut.

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