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Cooltropics® Winterharte Passionsfrüchte: Fortschritte und Ausblick bei der Züchtung von Passiflora incarnata

Passiflora incarnata Winterharte Passionsfrüchte, die auch in Mitteleuropa zuverlässig blühen und fruchten – lange galt das als gärtnerischer Wunschtraum. Doch Passiflora incarnata, ursprünglich in nordamerikanischen Regionen mit ausgeprägt kontinentalem Klima beheimatet und an sehr heisse Sommer sowie kalte Winter angepasst, bringt genau jene Robustheit mit, die man für einen erfolgreichen Anbau in Mitteleuropa braucht. Im Lubera-Züchtungsprogramm arbeiten wir daran, diese robuste Wildart an die Bedingungen des mitteleuropäischen Klimas und die immer kleiner werdenden Hausgärten anzupassen. Das Ziel: Winterharte Passionsfrüchte mit gutem Geschmack, die früher austreiben, kompakter wachsen, selbstfruchtbar sind und bereits im Spätsommer reifen – perfekt für moderne Genuss- und Ziergärten.

Zusammenfassung

Lubera arbeitet daran, Passiflora incarnata besser an mitteleuropäische Hausgärten anzupassen. Die Art stammt aus Regionen mit kontinentalem Klima und ist dadurch robust und frosthart – hat jedoch einen hohen Wärmebedarf, der zu spätem Austrieb und zu später Fruchtreife führt, und zeigt noch typische Wildpflanzenmerkmale wie starken Wuchs und fehlende Selbstfruchtbarkeit. In unserem Züchtungsprogramm wollen wir Passionsfrüchte finden, die ein ausgewogenes, aromatisch-exotisches Geschmacksprofil haben, früher austreiben und reifen, selbstfruchtbar sind und kompakt wachsen. Ausserdem arbeiten wir an einem höheren Fruchtfleischanteil, schönerer Färbung, weicheren Samen und besserer Haltbarkeit. Aus über tausend Sämlingen haben wir jene Pflanzen selektiert, die geschmacklich überzeugen, früh reifen und selbstfruchtbar sind. In einer zweiten Stufe haben wir die Selektionen genauer geprüft, und daraus sind einige Sortenkandidaten hervorgegangen.

Warum ist Passiflora incarnata der ideale Kandidat für winterharte Passionsfrüchte?

Passiflora incarnata verfügt über ein weitläufiges Verbreitungsgebiet im Südosten der USA und eine entsprechend hohe genetische Variabilität. Diese Vielfalt eröffnet grosse züchterische Möglichkeiten, denn die Art bringt essbare und oft aromatische Früchte hervor – deren Qualität zwar stark schwanken kann, aber insgesamt ein vielversprechendes Ausgangsniveau bietet.

Anders als die tropischen Passionsblumen wächst P. incarnata als winterharte Staude: Der oberirdische Teil der Pflanze stirbt im Herbst vollständig ab, während der Wurzelstock im Boden überdauert und im Frühjahr zuverlässig neu austreibt. Diese Anpassung macht die Art extrem frosttolerant; Temperaturen bis etwa –20 °C übersteht sie ohne Schwierigkeiten.

In Nordamerika wurde Passiflora incarnata bereits vor rund 4000 Jahren genutzt und kultiviert. Captain John Smith beschreibt 1607 bei der Gründung der Jamestown-Kolonie die Landwirtschaft des Powhatan-Stammes, der die Art anbaute und verzehrte. Er verglich die Frucht in seinem Bericht mit einem Granatapfel. Archäologische Funde bestätigen, dass die Art über weite Regionen hinweg verbreitet war und sowohl gesammelt als auch gezielt kultiviert wurde.

Unsere Züchtungsziele für Cooltropics® winterharte Passionsfrüchte

Passiflora incarnata steht noch am Beginn des Domestikationsprozesses und hat noch (für uns als Gärtner) negative Eigenschaften von Wildpflanzen. In unserem Züchtungsprojekt arbeiten wir laufend an der Verbesserung der winterharten Passionsfrüchte, um sie besser an mitteleuropäisches Klima anzupassen. Deshalb haben wir folgende Züchtungsziele definiert:

  • Guter Geschmack: Das Fruchtfleisch soll aromatisch sein und neben einem hohen Zuckergehalt auch ausreichend Säure beinhalten. Das Aroma unserer aktuellen Sorten Cooltropics® ‘Snowstar’® und Cooltropics® ‘Eia Popeia’® erinnert an Zitrus und Ananas.
  • Früherer Austrieb: Unsere aktuellen Sorten treiben Ende Mai aus. Wir wollen Sorten, die 3-4 Wochen früher austreiben. Ein zu früher Austrieb vor Anfang Mai wäre allerdings wegen der Spätfrostgefahr problematisch.
  • Frühere Fruchtreife: Aktuelle Sorten reifen im Freiland Ende September. Wir wollen möglichst früh reifende Sorten, die schon im August reifen. 
  • Selbstfruchtbarkeit: Unsere bisherigen Sorten sind auf Fremdbefruchtung angewiesen. Neue Sorten sollten auch ohne eine zweite Pflanze Früchte bilden.
  • Kompakter Wuchs: Neue Sorten sollen dank kürzerer Internodien etwas schwächer wachsen.
  • Besonders attraktive, grosse Blüten: Unsere aktuellen Sorten begeistern bereits mit ihren prachtvollen Blüten. Die kommenden Züchtungen sollen jedoch mit noch größeren, eindrucksvolleren Blüten überzeugen, die sich klar von den bestehenden Sorten unterscheiden und dem Sortiment eine neue visuelle Vielfalt verleihen.
  • Samenhärte und Samengrösse: Für ein angenehmes Esserlebnis sollen die Samen möglichst klein und weich sein.
  • Ertrag und Fruchtgrösse: Die Früchte der aktuellen Sorten wiegen etwa 30-40 Gramm. Wir haben Sortenkandidaten mit deutlich grösseren Früchten.
  • Mehr Arillus (Fruchtfleisch um die Samen): Die Früchte sollen gut gefüllt sein und einen hohen Anteil an Fruchtfleisch besitzen.
  • Attraktive Färbung: Meistens bleiben die Früchte von Passiflora incarnata auch bei Reife grün, der Arillus ist meist weiss bis hellgelb gefärbt. Eine gelb gefärbte Schale und ein intensiver gefärbter Arillus würden die Früchte optisch attraktiver machen.
  • Haltbarkeit: Aktuelle Sorten halten sich etwa 1 Woche im Kühlschrank. Dabei verflüchtigt sich das Aroma, die Säure wird abgebaut und der Geschmack wird schal, teilweise entwickelt sich ein unangenehmer Beigeschmack. Einige Sortenkandidaten halten sich mehrere Wochen, ohne an Qualität einzubüssen.

Wie schmecken Cooltropics® Winterharte Passionsfrüchte?

Das wichtigste Kriterium bei der Züchtung dieser neuen Obstart ist selbstverständlich der Geschmack. Die Fruchtqualität der Früchte von Passiflora incarnata variiert, gut schmeckende Passionsfrüchte vereinen eine aromatisch-exotische Note mit saftiger Süsse und einer feinen, zitrusartigen Säure. Je nach Sorte, Reifegrad und Standort kann das Aroma variieren; manchmal erinnert es sogar an Erdbeeren, Ananas oder Banane. Für ein ausgewogenes Geschmacksprofil sind ein hoher Zucker- und zugleich ein ausreichend hoher Säuregehalt wichtig – fehlt die Säure, wirken die Früchte schnell flach und wenig spannend. Unsere aktuellen Sorten zeigen bereits ein ausgezeichnetes Aroma. Neue Sortenkandidaten sollen geschmacklich mindestens an dieses Niveau anknüpfen – oder es im Idealfall sogar übertreffen.

Welche Merkmale braucht Passiflora incarnata, um im mitteleuropäischen Hausgarten optimal zu funktionieren?

Die Herkunft aus kontinentalem Klima mit sommerlicher Hitze und winterlicher Kälte macht sie grundsätzlich robust und frosthart. Allerdings sind die Sommer in Mitteleuropa oft zu kurz und zu kühl, sodass die Pflanze nicht immer genügend Zeit für die Fruchtreife hat. Wir möchten Passiflora incarnata so weiterentwickeln, dass sie optimal an das mitteleuropäische Klima und die zunehmend kleiner werdenden Hausgärten angepasst ist. Dafür müssen noch einige Eigenschaften verbessert werden. In diesem Jahr haben wir uns vor allem auf frühe Reife und Selbstfruchtbarkeit konzentriert.

Früh reifende Passionsfrüchte

Mitteleuropäische Sommer sind in der Regel kürzer und milder als jene in der Heimat von Passiflora incarnata. Ihr Wachstum beginnt erst bei relativ hohen Temperaturen – ein Schutzmechanismus gegen bittere Winterkälte. In Mitteleuropa führt das dazu, dass die Pflanze oft erst Ende Mai, manchmal sogar erst im Juni austreibt. Bevor sie Blüten und Früchte versorgen kann, muss sie zunächst ausreichend Blattmasse aufbauen. Die ersten Blüten erscheinen rund vier Wochen nach dem Austrieb, und von der Blüte bis zur erntereifen Frucht vergehen weitere 90 Tage.

Daraus ergeben sich die wichtigsten Zuchtziele: eine deutlich frühere Reife und geringerer Wärmebedarf, damit auch in Jahren mit kühlen Sommern (wie 2025) und in Regionen mit rauem Klima zuverlässig Früchte ausreifen können. Der heurige nass-kalte Sommer erwies sich für die Selektion früher reifender Passionsfrüchte als besonders hilfreich und bot ideale Bedingungen, um strenge Kriterien anzulegen. Als Mindestanforderung definierten wir, dass die Früchte im Freiland spätestens Mitte September reifen müssen. In diesem Jahr erfüllten nur vier Selektionen dieses Kriterium – vermutlich auch deshalb, weil die Pflanzen erst heuer ausgepflanzt wurden und deshalb noch nicht ihr volles Potenzial zeigen konnten.

Selbstfruchtbarkeit

Da Hausgärten immer kleiner werden und oft kein Platz für zwei Pflanzen vorhanden ist, soll eine ideale Passiflora auch ohne Fremdbefruchtung zuverlässig Früchte tragen.

Die allermeisten Exemplare von Passiflora incarnata sind selbstinkompatibel – sie können ihren eigenen Pollen also nicht zur erfolgreichen Befruchtung nutzen. Obwohl die Pflanze viele Blüten mit reichlich Pollen bildet, führt Selbstbestäubung in der Regel nicht zu Fruchtansatz. Verantwortlich dafür ist ein genetisch gesteuerter Mechanismus, der das Wachstum des eigenen Pollenschlauchs unterbindet und damit eine Selbstbefruchtung verhindert. Dieses System sichert in natürlichen Populationen die genetische Vielfalt, erschwert im Hausgarten jedoch den zuverlässigen Fruchtertrag. Für eine sichere Ernte benötigt P. incarnata deshalb normalerweise die Bestäubung durch eine genetisch unterschiedliche zweite Pflanze.

Die allermeisten Pflanzen dieser Art sind tatsächlich nicht selbstfruchtbar, doch es gibt wenige Ausnahmen. Um solche seltenen Individuen zu finden, haben wir rund 1000 Blütenknospen mit feinen Netzbeuteln eingepackt und dadurch jegliche Insektenbestäubung ausgeschlossen. Aus diesem Test entwickelten sich etwa 40 reife Früchte; einige Ansätze fielen vorzeitig ab, andere waren nicht oder schlecht gefüllt. 

Dieser Selbstfruchtbarkeitstest ist ziemlich streng, da der Pollen nur von selbst oder durch Hilfe des Windes auf die Narbe kommen kann. Wir gehen deshalb davon aus, dass alle Pflanzen, die Früchte angesetzt haben, tatsächlich selbstfruchtbar sind und mit Unterstützung von Insekten im Garten reife Früchte bilden, auch ohne Fremdbefruchtung.

Passiflora Züchtung

Bild: Eingepackte Knospe

Passiflora Züchtung

Bild: Frucht in Beutel
 

Weitere Zuchtziele

Wenn wir diese zentralen Zuchtziele – frühe Reife und Selbstfruchtbarkeit – erreicht haben, konzentrieren wir uns stärker auf die übrigen Kriterien:

  • Kompakter Wuchs: Viele Passionsblumen wachsen sehr stark und bilden lange Triebe sowie weitreichende Wurzelausläufer. Für den Hausgarten brauchen wir jedoch Sorten, die kompakt bleiben und nur wenig Ausläufer bilden.
  • Samenhärte und Samengrösse: Für ein angenehmes Esserlebnis sollen die Samen möglichst klein und weich sein.
  • Ertrag: Auch wenn der Ertrag im Hausgarten weniger entscheidend ist als im Erwerbsanbau, möchten wir Sorten entwickeln, die eine gute und verlässliche Ernte ermöglichen.
  • Mehr Arillus (Fruchtfleisch um die Samen): Die Früchte sollen gut gefüllt sein und einen hohen Anteil an Fruchtfleisch besitzen.

Der aktuelle Stand unserer Passiflora-Züchtung

Vor drei Jahren haben wir über tausend Samen von Passiflora incarnata ausgesät. Ein Grossteil der Samen stammt von Pflanzen aus dem nördlichen Rand des natürlichen Verbreitungsgebiets von Passiflora incarnata, etwa aus Illinois, Delaware, Pennsylvania und New Jersey. Die Pflanzen dort sind an kühlere Sommer und kürzere Vegetationsperioden angepasst und sollten daher auch bei uns mit weniger Wärme gut zurechtkommen. Aus dieser Population haben wir jene Pflanzen selektiert, die besonders früh austreiben, früh reifen und zudem selbstfruchtbar sind.

In einer zweiten Stufe testen wir die selektierten Pflanzen genauer. Dazu haben wir von jeder Selektion fünf Exemplare im Freiland und drei im Glashaus kultiviert und sie nach den oben beschriebenen Kriterien bewertet. Aus diesen Tests haben sich mehrere Favoriten herauskristallisiert, von denen wir vier im Folgenden näher vorstellen.

Favoriten und Sortenkandidaten

PAS 24-101

Eine interspezifische Hybride mit wunderschönen, riesigen Blüten, benötigt Fremdbefruchtung. Über 50 Früchte pro Pflanze, mit Reife ab Ende August bis zum ersten Frost. Süsser, exotischer Geschmack mit Maracuja-, Bananen- und Zitrusnoten. Unreife Früchte lassen sich nachreifen und bis zu einem Monat lagern. 

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Bild: Blüten von PAS 24-101

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Bild: Früchte von PAS 24-101
 

R-1-1

Von der Selektion R 1-1 konnten wir bereits Mitte August reife Früchte ernten, sie ist selbstfruchtbar. Geschmacklich überzeugt diese aromatische Selektion mit einem Hauch von Zitrus, die Samen sind mittelhart. Die Früchte sind klein, werden dafür zahlreich gebildet. Diese Sorte wird aktuell als Sortenkandidat aufgebaut. Sortimentseinführung etwa 2028.

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Bild: Blüte von R 1-1

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Bild: Früchte von R 1-1
 

R-1-7

Diese Selektion reift etwa zwei Wochen später, die Früchte sind etwas grösser und sie ist ebenfalls selbstfruchtbar. Geschmacklich ebenfalls aromatisch und mit einem Hauch von Zitrus. Die Früchte sind mittelgross.

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Bild: Blüte von R-1-7

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Bild: Früchte von R-1-7
 

R-3-12

Diese selbstfruchtbare Selektion reift Mitte September. Die Früchte sind gross und angenehm aromatisch mit einem Hauch von Ananas.

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Bild: Blüte von R-3-12

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Bild: Früchte von R-3-12
 

Sortiment und Selektionen im Überblick

Sorte

Cooltrpics®

Eiapopeia®

Cooltrpocs®

Snowstar®

PAS 24-101 R-1-1 R-1-7 R-3-12
Geschmack

****

Noten von Ananas

****

Noten von Ananas

*****

Noten von Banane & Zitrus

*****

Noten von Zitrus

*****

Noten von Zitrus

****

Noten von Ananas & Vanille

Reifezeit Mitte September Mitte September Ende August Mitte August Ende August Mitte September
Austrieb Ende Mai Ende Mai Anfang Mai Mitte Mai Mitte Mai Ende Mai
Selbstfruchtbarkeit Nein Nein Nein Ja Ja Ja
Wuchsstärke Stark Stark Stark Mittel Mittel Stark
Blüte Mittelgross, hellviolett Mittelgross, weiss sehr gross, dunkel-violett Mittelgross, pink-violett Mittelgross, hellviolett Mittelgross, hellviolett
Fruchtgrösse Mittel (30 g) Mittel (40 g) klein (20 g) klein (20 g)

Mittel (40 g)

Gross (70 g)

 

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