Vielleicht fragen Sie sich auch ab und zu, was machen die bei Lubera Edibles eigentlich genau jeden Tag? Irgendetwas mit in vitro Vermehrung? Aber wird dort auch gesät, Stecklinge geschnitten und Steckholz gesteckt? Die kurze Antwort lautet ja, aber….
Die in vitro Vermehrung ist nach wie vor das Hauptwerkzeug zu Vermehrung qualitativ hochwertiger Jungpflanzen. Warum und was wir da genau machen soll nachfolgend dargestellt werden.
Hintergrund
Für einen Jungpflanzenbetrieb ist das die tägliche Arbeit. Stecklinge schneiden, Steckholz stecken, Aussaaten machen. Viele Jungpflanzen Betriebe sind schon seit vielen Jahren mit ihren Mutterpflanzenkulturen ausgewandert, um in fernen Ländern, z.B. in Kenia von den Vorzügen konstanten Klimas und niedriger Arbeitslöhne zu profitieren. Eng gepackt kommen diese Stecklinge dann bewurzelt oder unbewurzelt per Flugzeug zum Kunden.
Als Nischenanbieter hat Lubera Edibles schon vor mehr als 35 Jahren einen anderen Weg gewählt und die in vitro Vermehrung als Spezialgebiet eingeführt, sozusagen High Tech im Land. Die Verfahren wurden optimiert, die Kapazitäten ausgeweitet. Auch wir sind mit unserer in vitro Produktion teilweise ausgewandert, jedoch ins europäische Ausland, nach Ungarn. Mentalität, Erreichbarkeit und Know How waren unter anderem die Motivation hierzu. Heute werden über 10 Millionen Pflanzen in vitro produziert.
Die Mutterpflanze
Jede Vermehrungsart braucht Ausgangsmaterial, so auch die in vitro Vermehrung. Für alle bei Lubera Edilbes vermehrten Pflanzen halten wir eine begrenzte Grundmenge pomologisch geprüfter Ausgangspflanzen in unserem Lubera Edibles Sortengarten. Pflanzen aus dem aktuellen Sortiment werden hier kultiviert, aber auch Pflanzen aus der Pipeline. Vermehrungseigenschaften sind neben allen pomologischen Eigenschaften fruchttragender Pflanzen ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder auch gegen eine neue Sorte. Schließlich hat dies direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und auch den Preis der Jungpflanzen essbarer Pflanzen bei Lubera Edbles.
Selbstverständlich lassen wir alle Mutterpflanzen regelmäßig auf relevante Krankheiten untersuchen. Diese Tests werden in der Regel extern an kompetente Partner vergeben.

Bild: Sorten-Garten in Strullendorf
Triebe, Wurzeln oder Samen werden als Ausgangsmaterial für die In vitro Vermehrung verwendet und müssen in ausreichender Menge und Qualität jährlich neu zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt für die Etablierungen liegt im Frühjahr.
Um Pflanzenteile in vitro zu etablieren müssen diese sterilisiert werden. Auch hier sind Pflanzenart spezifische Unterschiede zu beachten, ebenso die jahreszeitliche Entwicklung des Pflanzenmaterials.


Bild: Sterilisierung von Vermehrungsmaterial - hier am Beispiel von Rhabarber
Die Vermehrung
Einmal etabliert beginnt die Vermehrung der eingesetzten Explantate, die entgegen der Namensgebung „Meristem-Vermehrung“ nicht notwendigerweise immer Meristeme sein müssen.
Neben Adventivsprossbildung nutzen wir auch die klassische Nodien-Vermehrung in vitro. Die verwendeten Nährböden sind Hausrezepte und die Erarbeitung kultur- und manchmal auch sortenspezifischer Protokolle Teil der Entwicklung. Ziel der Vermehrung ist immer ein bewurzelbarer Mikrosteckling, also ein kleiner Steckling, der sich bis auf die Größe nicht von einem konventionell geschnittenen Steckling unterscheidet.

Bild: Vermehrungstuff bei Brombeeren - gut zu erkennen die einzelnen Triebe
Skalierbarkeit ist bei der Entwicklung dieser Vermehrungsprotokolle ein entscheidender Punkt. 100 – 1.000 – 10.000 – 100.000 Jungpflanzen essbarer Pflanzen sollen möglich sein, eine immer wieder neue und spannende Aufgabe für das Entwicklungsteam.
Eine spannende Zukunft versprechen hier Entwicklungen hin zu KI basierten Automaten, die in der Lage sein werden die bisher weitestgehend manuellen Arbeitsschritte autonom durchzuführen.
Die Bewurzelung
Der zunächst letzte Schritt des in vitro Vermehrungsprozesses ist die Bewurzelung. Der Goldstandart Bewurzelung in Agar wurde mittlerweile weitestgehend durch in vitro-Plugs abgelöst. Gärtnerisch werden kleine Steckling in Erdplugs gesteckt.

Bilder: Invitroplug von Himbeeren - noch eingeschweißt zum Bewurzeln.

Bilder: Invitroplug von Himbeeren - fertig bewurzelt und bereit für den nächsten Verarbeitungsschritt
Hier hat die Technik schon Einzug gehalten. Die meisten Pflanzenarten können schon maschinell über handelsübliche Steckroboter verarbeitet werden.


Bild: ISO-Steckroboter in Aktion - Stecken von Rhabarber-Invitro-Stecklingen
Zukünftig werden wohl immer mehr Pflanzenarten direkt in Endtray gesteckt werden, entsprechende Versuche laufen auch bei uns.

Bild: Vermehrungsversuch bei Brombeeren - in vitro Stecklinge dirket gesteckt in ein 180er-Tray
Wozu der Aufwand?
Termin, Menge und natürlich die Qualität von essbaren Jungpflanzen sind die Kriterien an denen unsere Kunden, allesamt Pflanzenproduzenten, unsere Arbeit messen.
Um diese Ziele zu erreichen, werden reproduzierbare Prozesse gebraucht, die möglichst 24/7/365 gleichbleibende Ergebnisse liefern. Da die in vitro Vermehrung unter Klimaraumbedingungen abläuft können Licht, Temperatur und damit die Pflanzenentwicklung unabhängig von den herrschenden Außenbedingungen gesteuert werden. Der Vermehrungsprozess ist somit unter Kontrolle.
Der Konsument ist eher am Ergebnis, nämlich der Ernte interessiert. Hier sehen wir unsere große Verantwortung. Unsere Kollegen von Lubera züchten und entwickeln viele neue Sorten und Pflanzenarten für den Hausgarten. Resistenter – Einfacher – geschmackvoller und diverser soll der Hausgarten in Zukunft sein. Nur wenn die Endkunden sich jeden Tag aufs Neue auf ihren Obst-, Beeren- und Gemüsegarten freuen, dann ist nicht nur unsere Arbeit erfolgreich, sondern auch unser gemeinsamer Markt zukunftsfähig.
Die Zukunft ist essbar mit Lubera.